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Röthlein. Vor einem vollen Auditorium konnte der erste Vorsitzende des Historischen Vereins, Stefan Menz, den Schwebheimer Dr. Erich Schneider zu einem Vortrag über die abgerissene Röthleiner Pfarrkirche von Balthasar Neumann (1687–1753) im Katholischen Pfarrheim begrüßen. Menz drückte seine große Freude über die Zusage des frischgebackenen Gründungsdirektors des Fränkischen Landesmuseums in Würzburg aus. „Es ist ein Glück für unseren Historischen Verein und ein Glück für Röthlein, dass Sie sich mit der abgerissenen Kirche Balthasar Neumanns in Röthlein beschäftigt haben“, so Menz in seiner Begrüßung.

Dr. Schneider, der scheidende Kulturamtsleiter und Heimatpfleger der Stadt Schweinfurt, machte in seiner Hinführung zum Vortrag keinen Hehl daraus, dass bei ihm „tief drinnen“ bei allen Balthasar-Neumann-Themen viel Herzblut mitschwinge. So beschäftige ihn der fränkische Barockbaumeister schon seit seiner Dissertation Anfang der 1980er Jahre, in der er sich mit dem Bau der barocken Benediktinerabteikirche Balthasar Neumanns in Münsterschwarzach wissenschaftlich auseinandersetzte. Den Vortrag begann Schneider mit einem Blick auf die Region zwischen Schweinfurt, Kitzingen und Würzburg, die reich gesegnet sei mit Balthasar-Neumann-Bauten: Schraudenbach, Euerbach, Schnackenwerth, Kloster Heidenfeld, Abtei Münsterschwarzach, Werneck, Wiesentheid, Gaibach, Öttershausen, Maria Limbach, Michelau im Steigerwald oder Zeuzleben – in keinem anderen Landstrich finden sich so viele Zeugnisse dieses genialen Würzburger Baumeisters und alle sprechen seine architektonische Sprache.

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Mit seiner spannenden Schilderung wie im 18. Jahrhundert die Röthleiner das Würzburger Domkapitel zum Kirchenneubau in Röthlein bewegen konnten, zog Schneider alle Zuhörer in seinen Bann. Historisch bestens gerüstet, belegte der Vortragende seine Thesen mit alten Katasterkarten oder Auszügen aus dem Protokollbuch des Domkapitels wie auch mit einer sehr seltenen Ansicht der geplanten Röthleiner Kirche aus der sogenannten Sammlung Eckert, einer Plansammlung der Bauten Balthasar Neumanns, deren Original der Würzburger Bombennacht vom 16. März 1945 zum Opfer fiel.

 

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Mit vielen Fotos von erhaltenen Objekten aus der Ende des 19. Jahrhunderts wegen Raumnot abgerissenen Pfarrkirche St. Jakobus des Baumeisters belegte Schneider seine Spurensuche. Eindrucksvoll vermittelte der Vortrag die Verbindung von Neumann zu Maurermeister Johann Joseph Fischbacher (1704-1744) aus Haßfurt. Dieser wurde 1732 auf Initiative Neumanns und mit Unterstützung von Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn in die Würzburger Maurerzunft aufgenommen. Neumann schätzt ihn und arbeitete mit ihm sehr gerne zusammen. Fischbacher starb 1744 während der Endphase des Röthleiner Kirchenbaus auf einer Baustelle in Stettfeld an einem Schlaganfall. Die Zuhörer quittierten den lebendigen Vortrag mit langem Applaus. Erich Schneider musste sich noch einige Zeit den Nachfragen zu seinem Vortrag stellen. Insgeheim hofft er immer noch auf alte Fotos oder Postkarten, die eine bessere Rekonstruktion der abgerissenen Röthleiner Pfarrkirche ermöglichen würden. Stefan Menz bedankte sich bei Dr. Schneider für den außerordentlich gelungenen Abend. In Kürze erscheint ein Aufsatz Dr. Schneiders mit seinen Ergebnissen zur Erforschung der abgerissenen Röthleiner Pfarrkirche im 75. Band des Jahrbuchs der Fränkischen Landesforschung. Kreisheimatpfleger Menz wünschte Dr. Schneider zu seinem Amtsantritt am 4. Januar 2016 in Würzburg alles Gute, viele offene und geduldige Ohren, gute Mitarbeiter und Gottes Segen. „Schweinfurt weint und Franken lacht“, so das Resümee von Menz zu Dr. Schneiders Weggang aus Schweinfurt.

 Stefan Menz


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